Alle Jahre wieder – ein Erinnerungs- und Vorfreudespiel

Schlagworte

Advent

Qualitätsmerkmale:

✅️ Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

  Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

✅️ Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

  Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

✅️ Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

✅️ Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

✅️ Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Alle Jahre wieder ist ein Spiel, bei dem man sich an ein Jahresfest erinnert und gegenseitig erzählt, was man erlebt hat.

Beschreibung der Aktion

Zu Beginn der Vorbereitungszeit auf das Fest, z.B. zu Beginn der Adventszeit – überlegen wir im Morgenkreis gemeinsam – evtl. anhand von Fotos aus dem letzten Jahr, was letztes Jahr gewesen ist. Was war da in dieser Zeit? Anschließend spielen wir das Spiel „Alle Jahre wieder“. Es funktioniert genauso wie: „Ich packe meinen Koffer…“ nur mit Sachen, die man zu dem entsprechenden Fest (Advent und Weihnachten) tut.

Das Spiel geht 5-10 Minuten, je nachdem wie viele Kinder da sind und dran kommen und ob man alles wiederholt, oder nur das, was das Vorderkind gesagt hat.

Beispiel-Bildkarten zum Verteilen in der Kreismitte

Vorgehensweise

Je nachdem, wie alt die Kinder sind, in der Gruppe, mit der man spielt, wiederholen die Kinder alles, was davor gesagt wurde oder nur das, was das Kind vor ihnen gesagt hat – und fügen jeweils ihre eigene Idee hinten an: „Alle Jahre wieder… backe ich Plätzchen“ – „Alle Jahre wieder… backe ich Plätzchen und zünde eine Kerze auf dem Adventskranz an.“ „Alle Jahre wieder… zünde ich eine Kerze auf dem Adventskranz an und bastele Ketten für den Weihnachtsbaum…“ usw.. Die ausgelegten Bilder können Kindern helfen, auf Ideen zu kommen. Sie prägen aber auch stark vor.
(Alternativ kann man auch eine Phantasiereise ins Advents- und Weihnachtsland machen, mit einer offenen Erzählung, bei der die Kinder selbst in ihrer Phantasie sich vorstellen können, welchen besonderen Wesen sie in diesem Land begegnen – wie die Welt geschmückt ist, was dort gesagt und gesungen, gegessen und gemacht wird.)
Kinder können auch auf ein Bild zeigen / es aufheben und sich beim Formulieren und Aussprechen von den anderen unterstützen lassen. Man kann das Spiel so auf die sprachlichen Möglichkeiten von Kindern anpassen, so dass alle sich beteiligen können.

Vorbereitung

Evtl. beginnt man mit einem Adventskranz und zündet die erste Kerze an. Schön ist auch, wenn man Bilder aus dem letzten Jahr ausdrucken kann, bei denen die Kinder sich noch genauer an die Situationen erinnern können. Sonst braucht man nichts, nur Ideen und Erinnerungen.

Religionspädagogische Überlegungen

Religiöse Feste und Vorbereitungszeiten strukturieren das menschliche Leben – auch das von Kindern. In den Vorbereitungs- und Festzeiten der Kita-Gemeinschaft, der Religionen und Kulturen zeigt sich, was den Menschen, die die Feste feiern wichtig ist. Es tut gut, sich in der dunklen Jahreszeit auf das große Weihnachtsfest zu freuen und eigene Vorbereitungen zu treffen. In der Advents- und Weihnachtszeit ist das besonders stark zu erleben. Viele Bräuche markieren diese besondere Zeit des Jahres. Selbst für Familien, die nicht der christlichen Religion angehören, ist kaum um Adventsmärkte, Weihnachtsbäume, Adventsmusik, Plätzchen, etc. herumzukommen. Kinder im Kita-Alter erleben zum ersten, zweiten, dritten Mal, wie Feste sich „jähren“. Der Rhythmus des Festjahres entsteht in der Erinnerung. Das Spiel ermöglicht den Kindern eigene Erlebnisse zu der Vorbereitungs- und Festzeit zu erinnern. „Alle Jahre wieder“ kann aber auch zu Ramadan und Fastenbrechen (oder jedem anderen Fest, das im Jahreskreis wiederkehrt) gespielt werden, vorausgesetzt, dass es vorher mit allen Kindern schon einmal erlebt, oder besprochen wurde. Es könnten dann entsprechende Bilder in die Mitte gelegt werden. Nach der Erinnerung und dem Festhalten, was besonders gutgetan hat, folgt die Planung gemeinsam mit den Kindern. „Wenn jetzt diese Zeit ist, die für einige von uns eine Festzeit ist, was wollen wir dann hier in der Kita dazu machen? Lasst uns gemeinsam planen!“ Es braucht Bereitschaft von Seiten der Erwachsenen sich auf die Planungen der Kinder einzulassen.

Kindererfahrung

Im Spiel erinnern die Kinder eigene Erlebnisse und hören, welche Erlebnisse anderen Kindern in dieser Zeit wichtig waren: Adventskerzen anzünden, Geschenke für andere basteln, besonderes Gebäck vorbereiten, die Krippe aufbauen, mit den Krippenfiguren spielen, die Geschichte von Jesu Geburt hören, Wichteltür öffnen, Engel ans Fenster hängen, Adventskalendertürchen öffnen.

Rückblick

Die Kinder haben Spaß, sich gemeinsam zu erinnern und wollen dann auch planen: Machen wir das wieder? Das war so schön. Aber manchmal auch: Das war langweilig. Das will ich anders, oder auch: Können wir da mal was anderes für uns Große machen? Manchmal äußern Kinder, die nicht aus christlichen Familien kommen und anderen Traditionen angehören auch, dass sie Advent und Weihnachten nur in der Kita feiern. Ich frage dann oft zurück: Welche Feste feiert ihr denn mit der Familie? Ich lasse das Kind darüber erzählen. Wenn es sagt: „Weiß ich nicht.“, fragen wir gemeinsam die Eltern beim Abholen. Manchmal sprechen muslimische Kinder darüber, dass einige Erwachsene in ihrer Familie einen Weihnachtsbaum aufstellen wollen, andere nicht. All diese Gespräche bekommen Raum. Wenn Kinder sich zu einer Fest- und Vorbereitungszeit positionieren, ihre Zugehörigkeit oder auch Distanz zu einem Fest äußern, so muss dem Raum gegeben werden. Es ist eine Chance zu lernen, Eigenes und Fremdes einzuordnen und sich selbst und andere besser zu verstehen, wie der Hessische Bildungsplan es beschreibt. Kinder können gut an Fest-Aktivitäten teilnehmen, die aus einer anderen Tradition als ihrer eigenen stammen, wenn sie ihre Rolle selbst klären können, gehört werden mit Fragen und Äußerungen und selbst steuern können, wie weit sie „mitspielen“, eigenes einbringen oder auch in die Beobachter*innen-Rolle gehen.
Im Anschluss an das Spiel, kann man ein Planungsplakat von den Kindern malen lassen. – Darauf soll sichtbar werden, welche Aktivitäten die Kinder in der Advents- und Weihnachts-Zeit (oder auch dem Sommerfest, dem Ramadan o.ä.) durchführen möchten. Weitere Planungsschritte mit interessierten Kindern sind: Was braucht ihr dafür? Wen braucht ihr dafür?  Manchmal wollen Kinder auch direkt aktiv werden. Nach dem „Alle Jahre wieder“-Spiel am Anfang der Adventszeit haben wir z.B. mit interessierten Kindern direkt den Krippenweg aufgebaut, so dass die Reise von Maria und Josef wieder beginnt wie alle Jahre.

Quellennachweise

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