Das verlorene Schaf – Niemand geht verloren

Autor:innen


Almuth Grond, Ricarda Lammers
CC BY NC

Qualitätsmerkmale:

  Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

  Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

✅️ Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

  Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

✅️ Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

✅️ Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

  Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

✅️ Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Die Geschichte von dem Schaf, das sich verirrt und von seinem Hirten gesucht, gefunden und zurückgebracht wird, für Krippenkinder erzählt mit dem Filztheater.

Die Erzählung

Heute möchte ich Euch eine Geschichte von einem Schaf erzählen, das sich verlaufen hat. Das Schaf heißt Molly. Es lebte mit ganz vielen anderen Schafe zusammen. Ein Hirte passte mit seinem Hund auf die Schafherde auf.

An einem sonnigen Nachmittag entdeckte Molly ein Loch im Zaun der Schafweide. „Määh, ein Loch, juchuh! Ich wollte schon lange wissen, was es hinter dem Zaun zu entdecken gibt – los geht’s!“ Und Molly machte sich auf den Weg.

Sie fraß die leckersten Blumen, sprang über Pfützen und kletterte über die höchsten Steine bis sie zu einem Wald kam.
Es wurde dunkel und Molly bekam Angst. „Määh, oh nein, es wird dunkel und ich finde den Weg nicht zurück zu den anderen Schafen. Ich habe fürchterliche Angst. Besser ich suche mir ein Versteck.“

Molly sah eine Höhle und kroch hinein.

In der Zwischenzeit hatte der Hirte bemerkt, dass ein Schaf fehlte. Er machte sich große Sorgen. „Oh, nein, Molly fehlt. Ich muss sie suchen, sie hat bestimmt große Angst. Bello“, sagte er zu seinem Hund, „pass Du auf die anderen Schafe auf, ich bin so schnell es geht wieder zurück.“

Der Hirte machte sich auf den Weg. Er sah die schönen Blumen, sprang über Pfützen, kletterte über Steine, bis er zum Wald kam. Es war schon sehr dunkel.

„Molly“, rief er, „bist du hier irgendwo?“ Er horchte und hörte aus einer Höhle ein leises „Määh“. „Molly, da bist du ja, was bin froh, dass ich dich wiedergefunden habe. Komm, ich trage dich und wir gehen nach Hause.“

Und sie kletterten über die höchsten Steine, sprangen über Pfützen, trafen auf die schönsten Blumen und kamen müde und glücklich wieder bei Bello und den anderen Schafen an.

So gut passt ein Hirte auf seine Schafe auf. Genauso wie eure Eltern und auch wir auf Euch aufpassen. Und auf uns alle passt der liebe Gott auf!

Vorgehensweise

Die Einheit erzählt, wie ein Schaf einer Herde verlorengeht und sein Hirte es sucht, findet und wohlbehalten wieder zurückbringt. Die Geschichte ist vor allem für Kinder im Krippenalter konzipiert, für die das Gefühl des „Verloren-Seins“ und „Gefunden-Werdens“ eine existentielle Dimension besitzt. Die Einheit hat die Botschaft: „Ich werde gefunden und gehöre unbedingt dazu!“. Sie ermutigt Kinder, eigene Erfahrungen zu machen, auch wenn sie sich manchmal dabei verlieren. In der Methode des Filztheaters findet die Erzählung ihre adäquate Methode.

Vorbereitung

Ein Filztheater ist schnell gebaut: Eine Spanplatte mit grauem Filz bekleben. Dazu braucht es eine Schere, Stift und verschiedene farbige Filztücher. Benötige Gegenstände und Figuren aufzeichnen, ausschneiden, fertig! Der Filz haftet von selbst auf dem Filztheater.
Die Methode des Filztheater nötigt, sich auf die wichtigsten Momente der Erzählung zu fokussieren. Das kommt der Wahrnehmungsfähigkeit von Kleinkindern entgegen. Gleichzeitig erzählt es anschaulich die Geschichte und lädt Kinder ein, mitzumachen.

Religionspäd. Überlegungen

Die Erzählung Lukas 15, 1-7 und Kinder im Krippenalter

In Lukas 15 berichtet die Bibel von der Begegnung Jesu mit seinen pharisäischen und schriftgelehrten Kollegen. Sie gehen ihn an, weil er sich mit sogenannten Sünder:innen einlässt und sogar mit ihnen gemeinsam zu Tische sitzt. Jesus erzählt daraufhin mehre Gleichnisse, u.a. auch das vom „verlorenen Schaf“.

Jesus erzählt die Geschichte ohne moralischen Zeigefinger. Er sagt damit. wie sich ein Schaf verirren kann, so verirrt sich auch ein Mensch. Wie das Schaf in der Geschichte vom Hirten gefunden wird und sich zurück in zur Herde bringen lässt, so kann auch ein Mensch umkehren und zur Gemeinschaft zurückkommen. Der Hirte kümmert sich um seine Schafe, wie Gott sich liebevoll seinen Menschen zuwendet.

Die Einheit hier nimmt diese drei Momente auf. Ich kann verloren gehen und gefunden werden. Ich kann mich verirren und zurückkommen. Ich gehöre dazu

Diese Einheit bleibt konsequent bei der von Jesus in der Bibel erzählten Geschichte. Die Frage der Schriftgelehrten und die Antwort Jesu in der Rahmenhandlung lassen die Erzähler:innen bewusst weg. Allein die Haltung Jesus findet im letzten Satz unserer Erzählung ihren Platz. Er stellt auch den Gottesbezug her. Das sollte für Kinder im Krippenalter zur Anbahnung eines religiösen Verständnisses der Welt fürs erste genügen.

Kinderfahrung

Kinder im Krippenalter identifizieren sich gerne mit Schafen. Sie erleben analog dem Schaf in unserer Geschichte, wie ihr Bedürfnis die Welt zu erkunden, sie manchmal die Umgebung und die sozialen Bezüge vergessen lässt und sie sich dann verirren.

Der Klassiker ist wohl der Supermarkt, in dem es viel zu entdecken gibt. Oder auch morgens, wenn das Kind zur Krippe gebracht wird. Schnell sind die Eltern oder andere begleitende Erwachsenen vergessen und aus den Augen geraten. Der anfänglichen Neugier, folgt ein Gefühl der Verlassen- und Verlorenheit. Das Leid ist dann groß.

Dass sich der Hirte sorgt, aufmacht, sucht, sich freut, es zu finden und es zurückbringt, zeigt die Liebe des Hirten zu seinen einzelnen Tieren. Und verweist so auf die Liebe derer, denen Kinder anvertraut sind, also den Eltern, den Erzieher:innen und letztlich Gott.

Rückblick

Die Kinder haben die Geschichte mit großer Aufmerksamkeit gehört, verfolgten aufmerksam das Geschehen auf dem Filztheater und beteiligten sich rege daran, die Filzwand zu schmücken.
Sie wollten die Geschichte mehrmals hintereinander hören und ein 3,5 Jahre alte Junge konnte am Ende die Geschichte fast selbst erzählen. Er ergänzte, als die Erzähler:in sagte: „So wie der Hirte auf seine Schafe aufpasst, passen eure Eltern auf euch auf und auch wir passen auf euch auf…“. Julius sagte dann:“ …und der liebe Gott passt auf alle Menschen auf!“
Sie kannten die Namen sehr gut („Molly“, das Schaf, „Bello“, der Hund, der Hirte) und Julius hatte sein Stoffschaf dann auch „Molly“ genannt.
Sie hatten Freude mir dabei zu helfen, das Filztheater vorzubereiten und dann auch alles wieder abzunehmen am Ende. Und zwischendurch wünschten sie sich immer wieder, die Geschichte noch einmal zu hören.

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