„Wenn Gott ein Kaninchen wäre …“ – Mit Kindern über Gottesbilder philosophieren.

Qualitätsmerkmale:

  Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

✅️ Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

  Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

  Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

✅️ Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

✅️ Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

✅️ Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

  OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Ein Bilderbuch für spannende Gedankenspiele über die Grenzen von Religion, in dem mit Augenzwinkern und Witz Fantasiewelten entworfen werden, die jedes Kind zum Kichern bringen, aber gleichzeitig auch die Augen öffnen, dass letztlich alles eine Frage der Anschauung ist. Der Newsletter gibt Anregungen zum vergnügten Eintauchen in Buch und Thema.

Medium

Das vorgestellte Bilderbuch kann in Kita, Grundschule, Familie und Kindergottesdienst eingesetzt werden. Es bietet viele Anregungen, um über Gott und unsere Vorstellungen nachzudenken und ins Gespräch zu kommen. Einige der angebotenen Beispiele im Buch werden neben Schmunzeln vielleicht auch Wiederspruch hervorrufen und den Austausch darüber anregen. So eröffnet das Buch auf jeder Seite neue Anlässe, ins Nachdenken eine gemeinsame Auseinandersetzung und in Weiterentwicklungen zu kommen.

Bei aller Freiheit im Denken und Phantasieren muss auch eine Schwierigkeit des Buches benannt werden: Leider arbeitet es an einer Stelle noch mit dem veralteten und nicht angemessenen Begriff „Indianerin“ statt „Indigene“. Hier braucht es bei Einsatz des Buches einen guten pädagogischen Blick auf die Formulierung.

Religionspäd. Überlegungen

„Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn.“ … Doch wie sähe die Welt aus, wenn Gott ein Kaninchen wäre? Oder ein Maulwurf? Ein Gedankenspiel über die Grenzen von Religion, in dem mit Augenzwinkern und Witz Fantasiewelten entworfen werden, die jedes Kind zum Kichern bringen, aber gleichzeitig auch die Augen öffnen, dass letztlich alles eine Frage der Anschauung ist. Wir können das Gedankenspiel des Buches weiterspielen: Wie sähe die Welt aus, wenn Gott ein/eine… wäre? Zum Beispiel: Wenn Gott dein Lieblingstier wäre oder ein Fußballstar oder etwas, das sich gar nicht gegenständlich darstellen lässt wie z.B. Wärme oder Hoffnung. Oder wie wäre die Welt, wenn DU Gott wärst – und würdest du das sein wollen? Da gibt es sicher noch viele spannende, witzige und wertvolle Ideen.

Aber sagt die Bibel nicht „Du sollst dir kein Bild (von Gott) machen“? Wie passt das mit dem Buch zusammen? Eine gute Frage!
Im Text der 10 Gebote heißt es tatsächlich: „Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!“ (2. Mose 20, 4-5a)

Etwas später erzählt die Bibel dann, dass die Menschen doch das Bedürfnis hatten, ein Gottesbild zu machen: Als Mose, der das Volk Israel aus Ägypten an den Berg Sinai geführt hatte, lange bei Gott auf dem Berg blieb, forderten sie Aaron, den Bruder des Mose, auf, ihnen aus Gold ein Stierbild zu machen. Aaron wollte erst nicht, wusste er doch von der Weisung Gottes. Aber die Menschen bedrängten ihn, bis er es dann doch tat. So entstand das goldene Stierbild.

Warum war es den Menschen so wichtig, ein Bild von Gott zu haben? Vermutlich war ihnen der unsichtbare Gott zu weit weg, zu unkonkret, vielleicht sogar zu unwirklich. Das Bild konnten sie sehen, anfassen, mitnehmen. So waren sie sicher, dass Gott da ist. Wahrscheinlich ist das typisch für unser menschliches Denken: wir brauchen etwas zum Sehen, Begreifen und Mitnehmen.

Aber wenn wir so ein Bild haben, dann sind wir Menschen es, die Gott auf ein Bild festlegen.

Die Bibel spricht in vielfältiger Weise von Gott. Mit Bildern und Vergleichen versucht sie, uns etwas von seinem Wesen begreiflich zu machen. Dabei zeigt sich, dass eine Vorstellung allein nicht ausreichen kann, ihn auch nur ansatzweise zu erfassen. Hier ein paar Beispiele:

  • Gott, ein Vater: Ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist. Epheser 4,6
  • Gott, wie eine Mutter: So spricht der Herr: Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch. Jesaja 66,13
  • Gott ist Liebe. 1. Johannes 4,16a
  • Gott leuchtet wie das Licht der Sonne, ein Kranz von Strahlen umgibt ihn, in ihnen verbirgt sich seine Macht. Habakuk 3,4
  • Mein Gott, mein Fels, bei dem ich mich berge. 2. Samuel 22,3a
  • Doch meine Burg ist der Herr. Psalm 94,22a

Martin Baltscheit (Autor)
Susanne Straßer (Illustration)
Wenn Gott ein Kaninchen wäre …
HERDER
ISBN 978-3-451-71632-4
geb.: 15,00 €

Quellennachweise

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