Die Adventszeit mit Hilfe einer Krippe bewusst gestalten

Qualitätsmerkmale:

✅️ Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

  Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

  Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

  Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

✅️ Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

  Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

✅️ Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Eine Krippe nutzen und mit den Kindern Schritt für Schritt durch den Advent auf Weihnachten zugehen.

Aktion

Die Weihnachtskrippe wird nicht am 1.12. komplett aufgestellt, sondern über die vier Adventwochen mit den Kindern weiterentwickelt – und bei uns auch bespielt. (Aber das ist eine Teamentscheidung und kann in jeder Kita anders aussehen.)

Vorgehensweise

Jeden Montag nach den Adventssonntagen setzen wir uns mit den Kindern, die das möchten, zusammen, um über die Krippe/den Krippenweg zu sprechen. Dabei gestalten die Kinder ihre Krippe mit. Das Zusammensein endet mit einem Adventlied.

Nach dem 1. Advent wird die Krippe aufgestellt, wir sprechen darüber wozu eine Krippe dient, wo wir ihr heute noch begegnen und was den Kindern dazu alles einfällt. In der Regel erinnern sich einzelne Kinder auch an das Vorjahr und berichten, wie die Krippe wuchs. (Manche Kinder erzählen auch von der Krippe Zuhause, wo schon „alle da sind“.)

Nach dem 2. Advent kommen Pflanzen, Steine und Ähnliches zur Krippe hinzu.
Kinder, die das möchten (und es übers Wochenende nicht vergessen haben), bringen hierfür Stroh, Zapfen, Blätter, Steine etc. mit. Das eine oder andere findet sich auch im Aussengelände der Kita und kann verwendet werden. Manche Kinder bringen am folgenden Tag einen Fund mit und ergänzen die Krippenlandschaft.

Nach dem 3. Advent kommen die Tiere hinzu: Ochs und Esel in der Krippe, Schafe auf der Wiese davor, ein Hütehund, der auf die Schafe aufpasst.
Ausserdem gehen Maria und Josef langsam los, mit ihrem Esel. Sie kommen von weit her und gehen die nächsten Tage immer weiter Richtung Stall.

Nach dem 4. Advent kommen weitere Menschen hinzu, die Hirten.

Am letzten Tag vor der Ferienschließung kommt der Engel zu den Hirten und Maria und Josef erreichen den Stall.

Erst nach der Ferienschließung ist das Jesuskind in der Krippe zu finden, die Hirten kommen dort an und die Könige laufen los (wenn Platz ist, gern aus der anderen Richtung). Sie kommen am 6.1. am Stall an und bringen ihre Geschenke.
Manchmal kommen an diesem Tag auch die Sternsinger in die Kita, das macht das Geschehen rund um die Krippe dann sehr lebendig.

Je nachdem wie lang oder kurz die Adventszeit ist, kann man die Setzung ändern, vor dem ersten Advent beginnen oder den Kreis freitags machen oder wie es eben zu den Gegebenheiten vor Ort passt. Wir haben es in der Regel wie beschrieben gemacht und die Kinder konnten eine Woche lang mit dem vorhandenen Material spielen und es ergänzen (siehe unten). Bevor der nächste Schritt gegangen wurde, wurde der Zustand der Vorwoche wieder hergestellt und die Geschichte von Maria, Josef und Jesus weiter erzählt.

Bildergalerie

Die Fotos sind nicht aus der Kita, sondern für diesen Beitrag nachgestellt worden.

Religionspäd. Überlegungen

Spätestens im August liegen die Lebkuchen im Regal, nach Halloween gibt es für die Schokoladenhersteller kein Halten mehr, die Läden bieten zig Varianten von Adventskalendern an. Häufig werden noch vor dem Ewigkeitssonntag Sterne aufgehängt und blinken uns an.
Den Advent bewusst als Zeit des (Er-)Wartens zu gestalten kann ein Gegenpol zu dem Treiben in den Geschäften und Zuhause sein.
Die Kinder mit der Weihnachtsgeschichte vertraut zu machen ist uns in der Kita wichtig.

Kinderfahrung

Die Kinder erleben im Advent oft hektische Erwachsene. Dabei sind sie selbst oft ausgeschlossen von den Vorbereitungen, denn es passieren ja Geheimnisse an Weihnachten.

Für die Kinder hilft der Adventskalender oder der Adventskranz die Zeit bis Weihnachten ein bisschen überschaubarer zu machen.

Die Aufregung vor Weihnachten, dem Fest, zu dem ggf. die Familie im größeren Rahmen zusammenkommt und an dem es Geschenke gibt, diese Aufregung ein bisschen zu kanalisieren, ist das eine, das wir den Kindern anbieten wollten. Dabei sind sie eingeladen sich aktiv zu beteiligen: Bei der Gestaltung des Krippenareals und bei den Gesprächen über die Situation und die Geschichte.

Das andere und für uns Wichtigere ist in den Mittelpunkt zu rücken, warum wir Weihnachten feiern, nämlich dass es an Weihnachten um die Geburt von Jesus geht.

Rückblick

Die Kinder brachten sich und ihre Lebenswelt mit in den Advent ein. Sie berichteten, wo sie selbst schon einen Stall sahen, welche Tiere sie kennen, dass sie mal einen Schäfer/Hirten gesehen haben, mit einer ganz großen Schafherde.

Die Kinder bespielten die Krippe mit den Materialien, die „schon vorhanden“ waren. So ergänzten sie sie mit Figuren oder Autos. Da wurde Maria auch mal ein Stück gefahren, damit sie es leichter hat. Oder es stand auch mal ein Känguru an der Krippe. Das war alles in Ordnung.

Die Kinder konnten die Zeit über die Spannung gut aushalten und waren neugierig auf den nächsten Schritt. Manchmal erklärten sie ihren Eltern, warum das hier, in der Kita, „noch nicht fertig“ ist oder dass das Baby doch erst an Weihnachten auf die Welt kommt.

Die Kinder bespielten die Krippe, waren aber achtsam mit dem Material, auch mit dem selbst Gesammelten. In einem Jahr war der grüne König weg und tauchte auch nie wieder auf. Die Kinder beschlossen, er sei einen anderen Weg gegangen. So wird es wohl gewesen sein.

Schreibe einen Kommentar