Mit Kindern Geschichten erfinden

Qualitätsmerkmale:

✅️ Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

  Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

✅️ Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

  Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

✅️ Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

  Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

  Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Diese Idee enthält Bilder, die dazu einladen, mit Kindern Geschichten zu erfinden.

Zum Einsatz der Bildkarten

Die einfachen Bilder sind auf elf Seiten zusammengestellt, die im Format Din A4 ausgedruckt und dann in ein handliches A6 Format geschnitten werden können. Die Bilder sind natürlich eine offene Sammlung. Fehlendes kann leicht durch eigene Zeichnungen ergänzt werden.

Die Bilder laden dazu ein, mit Kindern Geschichten zu erfinden. Dafür braucht es nicht zwingend einen Anlass, sondern es kann immer dann geschehen, wenn es sich im Alltag, zum Beispiel in einem Morgenkreis, ergibt.

Die Geschichten können unter eine Überschrift gesetzt werden, die sich Kinder oder Erwachsene ausdenken. Dafür werden Bildkarten ausgelegt und die Kinder zum Beispiel eingeladen, sich eine Karte zu ziehen. Ein Kind beginnt, mit dem Bild der gezogenen Karte und eröffnet die Geschichte. Von Kind zu Kind und Karte zu Karte wird die Geschichte fortgesetzt.

In einer kooperativen Variante können zu Beginn alle Bilder ausgelegt werden. Gemeinsam wird eine Reihenfolge der Karten besprochen. Dabei wird die Geschichte direkt mit jeder Karte weitergesponnen. Das bedeutet, jedes Bild besprechen die Kinder einzeln und einigen sich auf eine Fortsetzung. Es ist gut, am Anfang die Anzahl der Bilder zu beschränken. Diese Variante eignet sich auch für das Einüben des Geschichtenerfindens. Später können es mehr Bilder werden. Auch kann zuerst die komplette Reihenfolge festgelegt und dann die Geschichte gemeinsam gesponnen werden. Oder eine Geschichte wird erfunden und die Kinder wählen im Fortgang die für sie passenden Bilder. Diese Begrenzung ist herausfordernd. Man kann jedoch auch besprechen, welches Bild unbedingt zusätzlich benötigt und gemalt wird.

Es ist denkbar, eine Geschichte (die erfundene Bildfolge) anzupinnen. So können die Kinder im Vorbeigehen darüber nachdenken oder die Reiehnfolge verändern und zu gegebener Zeit ihre veränderte Geschichte erzählen. Es könnte auch eine Art Spiel werden – wer bemerkt die Änderung?

Wichtig ist, dass die erfundenen Geschichten von einer erwachsenen Person festgehalten und für Kinder und Eltern aufgeschrieben werden.

In der Zeitschrift „was und wie – Kinder religionspädagogisch begleiten“ (2/2024) werden unterschiedliche Optionen skizziert, wie diese Erzählrunden unter dem Motto „Weg-Geschichten“ angeleitet und gestaltet werden können. Die Karten stehen auch im zusätzlichen Downloadbereich zur Zeitschrift zur Verfügung.

Wer Lust hat, über das Erfinden von Geschichten mehr zu lesen, dem sei das schon in die Jahre gekommene, aber nach wie vor lesenswerte Buch von Gianni Rodari: Grammatik der Phantasie (Reclam) empfohlen.

Kinderfahrung

Geschichten gehören zum Menschsein. Geschichten sind gerade für Kinder ein fester Bestandteil des Alltags. In der Kita und zu Hause, überall kommen sie vor. Viele Kinder denken sich auch selbst – nebenbei und ohne Impulse von Außen – Geschichten aus. Zum Beispiel wenn sie ein Rollenspiel erfinden, oder Bilder malen. In den Geschichten bringen sie zum Ausdruck, was sie erleben und was sie bewegt.

Geschichten, die Kindern erzählt werden, spielen auf vielfältigste Art und Weise mit Ideen davon, wie Leben gestaltet werden und gelingen kann. Viele Geschichten haben Kraft, Kinder in ihrer Resilienz zu stärken, Hoffnung zu nähren und Visionen für Leben und Welt zu zeichnen, die Mut und Vertrauen aufzubauen helfen.

Im Vorgang des gemeinsamen Geschichten-Erfindens werden die Kinder selbst zu Gestalterinnen und Gestaltern. Das inszenierte Geschichten-Erfinden fördert nicht nur die sprachlichen Kompetenzen und die Phantasie der Kinder. In einer Gruppe geht es beim gemeinsamen Geschichtenerfinden unter anderem auch um das aufmerksame Zuhören, das Abwarten und den Mut, den eigenen Teil zur Geschichte beizutragen.

Religionspäd. Überlegungen

Geschichten sind aus der religionssensiblen Begleitung in Kindertageseinrichtungen nicht wegzudenken. Geschichten von Angst und Vertrauen, Hoffnung, Sicherheit und Zuspruch sind ein fester Bestandteil.

Geschichten aus der Bibel werden in vielen Kitas bezogen auf einen kirchenjahreszeitlichen Anlass erzählt. Manche Kitas gehen darüber hinaus und erzählen über das ganze Jahr anknüpfend an die Erfahrungen der Kinder Geschichten aus der Bibel.

Die Bildkarten sind sehr weit einzusetzen und nicht nur im Rahmen einer religionssensiblen Begleitung. Aber natürlich ist es möglich, mit den Kindern Geschichten auszudenken, die durchaus für eine religionssensible Begleitung relevant sind. Geschichten, die von Vertrauen oder Hoffnung erzählen, von Kraft und Mut, von Versöhnung oder Verzeihen – Geschichten, in denen „Gott vorkommt“.

Quellennachweise

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