Die TrauerKiste

Schlagworte

Tod, Abschied, Osteraktion

Qualitätsmerkmale:

✅️ Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

✅️ Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

✅️ Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

✅️ Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

  Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

  Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

✅️ Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Die TrauerKiste bietet einen Rahmen für Gespräche mit Kindern, die einen endgültigen Abschied erlebt haben.

Medium

Die TrauerKiste kann immer dann aus dem Regal geholt werden, wenn Kinder es wünschen: Weil sie selbst zum Beispiel einen endgültigen Abschied von einem Gegenstand, einem Tier oder einem Menschen erlebt haben und darüber traurig sind.
Auch Erwachsene können Kindern oder ihren Familien anbieten, gemeinsam die Kiste zu öffnen und zum Gesprächsanlass zu verwenden.

Die TrauerKiste ist eine Materialsammlung, um Kindern einen gestalteten Rahmen für das Aussprechen und Ausdrücken eigener trauriger Erfahrungen zu ermöglichen. Die Arbeit mit der TrauerKiste wird durch eine erwachsene Person begleitet. Das Kind, das die Kiste konkret verwenden möchte, kann andere Kinder zum Gespräch einladen.

Die TrauerKiste enthält unterschiedliche Materialien:

  • Einige sind für die erwachsenen Begleitungen gedacht, die Kinder mit der TrauerKiste begleiten.
  • Einige können den Familien der Kinder zur Unterstützung mitgegeben werden.

Der Hauptteil des Inhaltes ist den Kindern gewidmet:

  • Bilderbücher, die das Thema Abschied in Bilder und Worte fassen.
  • Tücher in unterschiedlichen Farben, um einen gemeinsamen Mittelpunkt für den Gesprächskreis zu gestalten.
  • Kerzen und Gestaltungsmaterial (Federn, Edelsteine, Glassteine).
  • Kreuze aus Tonkarton in unterschiedlichen Farben (groß genug, um sie mit Zeichnungen ausgestalten zu können).
  • „Mutmachbilder“: Fotokarten mit unterschiedlichen Motiven, die die Kinder auswählen und mitnehmen können.

Zusätzlich ist Folgendes bereit zu halten und nicht in der TrauerKiste enthalten:

Stifte, Briefpapier, „Fotoapparat“ oder Handy, um die Gestaltung der Kinder für die Kinder und Familien zu dokumentieren.

Vorgehensweise

Die TrauerKiste wird eingesetzt, wenn ein Kind in der Kita von einer traurigen Situation betroffen ist. Die TrauerKiste ist als „Erste Hilfe“ gedacht und wird möglichst zeitnah mit den Kindern geöffnet. Das Kind, das sich den Gesprächskreis wünscht, kann weitere Kinder zur Teilnahme einladen. In der Regel sind es dann kleine Gruppen, mit denen die Kiste geöffnet wird.

Für den Gesprächskreis ist folgender Ablauf denkbar:

  • Die Kinder kommen zusammen.
  • Die Kiste wird geöffnet.
  • Das betroffene Kind wählt Tücher aus und gestaltet die Mitte des Kreises mit den Tüchern und Legematerial aus.
  • Es kann für den Anlass eine Kerze anzünden und erzählen, was es bewegt. Gefühle und Gedanken können ausgesprochen werden.
  • Die anderen Kinder sind ebenfalls eingeladen, ihre Erfahrungen einzubringen.
  • Das betroffene Kind kann ein Buch zum Vorlesen auswählen.
  • In einer kreativen Zeit gibt es die Gelegenheit, ein Kreuz zu gestalten, ein Bild zu malen und / oder ein Mutmachbild zu wählen.

Eine pädagogische Fachkraft begleitet das Gespäch und hält zentrale Aspekte für einen Brief fest, der den Familien der teilnehmenden Kinder mitgegeben wird.

Anmoderation

Heidrun Treskow aus Stendal hat gezeigt, wie sie selbst mit der Trauerkiste arbeitet:

Bildergalerie

Vorbereitung

Die Vorbereitung der TrauerKiste benötigt etwas Zeit. Die in den Bausteinen erwähnten Broschüren müssen ebenso wie ggf. Bilderbücher und Gestaltungsmaterielien beschafft werden. Eine Sammlung von Bildern kann über den Buchhandel bezogen oder ebenfalls aus linzenzfreien Bildern zusammengestellt werden.

Kinderfahrung

Kinder erleben in ihrem Alltag immer wieder Abschiede: Das Lieblingskuscheltier ist verloren gegangen, die Katze wurde überfahren oder Uroma ist gestorben. Wenn Kinder endgültige Abschiede erleben, ist es gut, ihren Erfahrungen, ihren Gefühlen und Gedanken Raum zu geben.

Nicht jedes Kind möchte sprechen, nicht jedes Kind ist betroffen, auch wenn die nahestehenden Personen denken, es müsste todtraurig sein. Abschiede zu begleiten, braucht ein achtsames Hinschauen: Was braucht das Kind, welche Signale gibt es? Und dann braucht es Mut, traurigen Erlebnissen, Erinnerungen und Hoffnungsbildern Raum zu geben. Hierfür ist die TrauerKiste eine hilfreiche Unterstützung.

Rückblick

Die TrauerKiste existiert in dieser evangelischen Kindertageseinrichtung seit über zehn Jahren. Heidrun Treskow, die sie in eingeführt hat, erlebte durchgehend positive Resonanz auf den Einsatz der Kiste. Viele Kinder schätzen die Möglichkeit, in belastenden Situationen Zeit und Gelegenheit zum Sprechen zu bekommen. Familien sind erleichtert, wenn sie erleben, dass ihre Kinder in der Einrichtung in diesen Situationen begleitet werden und sind dankbar für die Unterstützung.

Bei vielen Befürchtungen, die es zu Beginn gab, hat sich das absolute Gegenteil herausgestellt: Die Gesprächsrunden bauen die Kinder auf und unterstützen sie in belastenden Lebenssituationen. Familien sind positiv beeindruckt, wenn sie erfahren, wie sich die Kinder in der Situation geäußert haben. Insgesamt konnte sich die TrauerKiste zu einem festen Punkt im Kita-Alltag entwickeln.

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