Bartimäus sprich mit ihm

Qualitätsmerkmale:

✅️ Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

✅️ Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

✅️ Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

✅️ Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

  Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

  Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

  Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Die Geschichte des Bartimäus für Kita-Kinder gestaltet

Die Erzählung

Das ist Bartimäus, er sitzt am Stadttor von Jericho. Da ist seine Stadt, mitten in der Wüste. Es ist heiß und staubig. Jeden Tag scheint die Sonne, in den Nächten ist es kalt.

Bartimäus ist blind. Er sitzt hier am Stadttor, weil er nicht arbeiten kann. Zum Glück hat er Freunde, die ihn morgens hierher begleiten und am Abend wieder nach Hause bringen.

So sitzt er also den lieben langen Tag hier und bettelt. Manchmal schenken ihm Menschen etwas zu Essen, manchmal ein wenig Geld. Letztens hat ihm jemand einen alten Mantel gegeben, da hat Bartimäus sich sehr gefreut, der Mantel hält ihn nachts warm und tagsüber kann er gemütlich darauf sitzen.

Bartimäus kann nicht sehen – das wisst ihr ja schon. Aber Bartimäus kann dafür umso besser hören! Er erkennt ob viele oder wenige Menschen zur Stadt kommen, er hört welche Tiere sie mit sich führen. Schafe, Ziegen, Kamele, er erkennt ihr Hufgetrappel und natürlich ihr Geblöcke und Gemecker. An Markttagen merkt er wie die Tiere langsamer laufen, wenn sie schwer beladen auf das Stadttor zugehen und leichtfüßiger wieder herauskommen am Abend.

Und – er liebt es den Menschen zuzuhören, die von Erlebnissen aus anderen Orten erzählen und spannende Geschichten mitbringen.

So hat er auch schon von Jesus gehört. Er soll der Sohn Gottes sein und zieht durch das Land um von seinem Vater zu erzählen. An anderen Orten soll er schon Wunder vollbracht haben. Es wird erzählt, dass er Kranke gesundmachen kann und dass er mit denen zusammen isst, zu denen sonst niemand zu Besuch kommen möchte. Ja, Jesus, ein ganz besonderer Mann.

Heute ist Jesus in Jericho, in der Stadt von Bartimäus! Die Menschen sind zusammengelaufen um ihm zuzuhören und Bartimäus sitzt allein am Tor, auf den Marktplatz, zwischen die vielen Leute kann er nicht gehen. …aber wenn Jesus aus der Stadt heraus durch dieses Tor kommt? Das wäre doch eine Chance für ihn?! Zu verlieren hat er nichts, es wäre den Versuch wert…

Da kommen sie tatsächlich schon: Viele Menschen strömen aus der Stadt, sie begleiten Jesus noch zum Stadttor und werden ihm nachsehen, wenn er geht. Kegelfiguren in die freie Fläche vor das Stadttor stellen, immer mehr.

Jesus und seine Freunde kommen auch. Jesus, als größere Figur, mit in die Szene stellen, von Bartimäus entfernt.

Bartimäus denkt: Jetzt, jetzt oder nie, wenn ich eine Chance habe, dann jetzt. Und er ruft: „Jesus!“

Die Menschen um ihn herum sagen: „Pst, sei doch leise. Wir wollen Jesus zuhören.“ Figuren zu Bartimäus drehen, näher zu ihm stellen. Aber Bartimäus ruft lauter: „Jesus!“ Laut werden! Und die Menschen um herum sagen: „Bartimäus, jetzt sei doch mal still. Du bist doch sonst so ein netter Kerl.“ Die Figuren wie eine Mauer zwischen ihn und Jesus stellen. Aber Bartimäus nimmt seinen ganzen Mut zusammen und ruft ganz laut: „Jesus!“ Richtig laut rufen!

Jesus dreht sich um. „Wer ruft mich?“, fragt er. Jesus Richtung Bartimäus drehen. Die Leute sagen: „Das ist Bartimäus. Beachte ihn nicht, er ist nur ein blinder Bettler.“ Aber Jesus sagt: „Bringt ihn zu mir.“ So müssen die Menschen Platz machen. Sie wundern sich, manchen schimpfen vielleicht auch. Aber sie machen Platz und Bartimäus geht zu Jesus. Kegelfiguren auseinanderziehen, damit zwischen der Jesus und Bartimäus-Figur niemand mehr steht. Dann langsam mit Bartimäus zu Jesus gehen. Sie stehen sich gegenüber. Jesus hebt seine Hände parallel zum Boden – als nähme er Bartimäus bei der Hand.

Jesus fragt Bartimäus: „Was willst du, dass ich dir tun soll?“ Sprechen Sie das sehr bewusst und in aller Ruhe; es ist die Schlüsselszene: Jesus macht nicht einfach, er fragt. Und Bartimäus antwortet: „Rabbuni, mach mich sehend.“ Und Jesus heilt ihn. Hände der Jesusfigur zu den Augen von Bartimäus heben, ihm die Augenbinde abnehmen. Jesus sagt: „Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen“. Und Bartimäus konnte sehen. Sein ganzes Leben würde sich völlig verändern. Er kann sehen was um ihn herum ist, er kann arbeiten, er wird sich um sich selbst kümmern können.

Und er entscheidet sich mit Jesus zu gehen.

~ Szene so stehen lassen, etwas nachspüren~

Bildergalerie

Vorbereitung

Für das Bodenbild benötigst du ein großes Tuch. (Ich habe gelb gewählt für den Wüstenboden.) Ausserdem Bausteine, um die Stadtmauer aufzustellen.
An Figuren benötigst du zwei hervorgehobene Figuren (Bartimäus und Jesus) und das Volk, also viele Figuren. Das können Erzählfiguren sein, aber auch einfache Kegelfiguren oder andere.

Die Stadtmauer wird vor Beginn der Erzählung aufgebaut (alternativ mit den Kindern zu Beginn der Erzählung). Bartimäus wird mit Augenbinde vor das Tor gesetzt. Alle anderen Figuren greifbar halten. Sie sollten für die Kinder noch nicht sichtbar sein.

Religionspäd. Überlegungens

Mir ist im Laufe der Jahre deutlich geworden, dass nicht das Wunder der Heilung für mich im Mittelpunkt steht, sondern dass Bartimäus für sich selbst und sein Anliegen eintritt, gegen eine ganze Menschenmenge.
Und, dass Jesus ihn hört. Dass die anderen Platz machen müssen und Jesus sich Bartimäus zuwendet, ihm Zeit und schließlich auch Heilung schenkt.

Kinderfahrung

Kinder kennen es nicht „zu Gehör“ zu kommen, weggeschickt zu werden oder zu klein zu sein, um durchzudringen. Hier erleben sie eine Geschichte, die zu einem guten Ende (und neuen Perspektiven) kommt, nachdem sich jemand für sein eigenes Anliegen konsequent und mutig stark gemacht hat.

Schreibe einen Kommentar