Die Verleugnung des Petrus

Qualitätsmerkmale:

  Freiwilligkeit

Die Handlungsanregungen sind sprachlich eindeutig als freiwillig gekennzeichnet.

✅️ Haltung

Der Einsatz des Materials fördert eine Haltung der Wertschätzung und des Respekts gegenüber anderen Menschen und der Welt.

✅️ Ermutigung

Es wird erkennbar eine angstfreie Begegnungs- und Lernsituation angestrebt.

✅️ Anregen zum Fragen

Durch den Einsatz des Materials und die beschriebenen Aktivitäten werden Gelegenheiten und Freiräume eröffnet, (religiöse) Fragen zu formulieren und individuelle sowie geteilte Antwortversuche zu erproben.

✅️ Stärkung

Der Einsatz des Materials fördert eine individuelle Stärkung der Kinder.

✅️ Selbstbildung

Die im Material beschriebenen Aktivitäten und Prozesse fördern das aktive Lernen bzw. eine aktive (Selbst-)Bildung.

  Vielfaltsbewusstsein

Der Einsatz des Materials fördert den Umgang mit unterschiedlichen Wertesystemen, Weltanschauungen oder Familienreligionen.

✅️ Religiöse und kulturelle Orientierung

Der Einsatz des Materials fördert eine Orientierung in der christlichen (Symbole, Zeiten, Feste, Lebenssituationen) Prägung der Kultur.

  Regionaler Bezug

In den Ausführungen wird ein Bezug zum (regionalen) Orientierungsplan/Bildungsplan hergestellt.

✅️ OER

Das Material erfüllt OER-Standards.

Kurzbeschreibung

Ein Erzähl- und Gestaltungsvorschlag zur Geschichte „Die Verleugnung des Petrus“ (Lukas 22,54-62).

Erzählvorschlag aus der Arbeitshilfe „Geschichtenzeit“. Eine Arbeitshilfe zum Kirchenjahr für Kindergarten, Hort und Schulkindbetreuung, herausgegeben vom Arbeitsbereich Kindertageseinrichtungen und Fachbereich „Kirche mit Kindern“ im Arbeitsbereich Kinder- und Jugendarbeit der Ev.-luth. Landeskirche in Braunschweig.

Erzählung mit einer Maus-Handpuppe

Hallo Kinder. Puh, ich bin ganz erschöpft! Ich bin ganz weit gelaufen, weil ich euch unbedingt etwas erzählen muss. Direkt aus Jerusalem komme ich. Und wisst ihr was? Da habe ich jemanden kennengelernt, der noch ängstlicher war als ich. Gar nichts hat der sich getraut. Sogar gelogen hat er vor lauter Angst. Wenn ich Angst habe, dann laufe ich immer ganz schnell weg und verstecke mich in einem Mauseloch.

Ich glaube, das hätte der Mann in Jerusalem auch gerne getan. Petrus hieß der. Und der Petrus, das war ein guter Freund von Jesus. Der war immer bei Jesus. Er hatte sogar alles aufgegeben, was er hatte, um mit Jesus durchs Land zu ziehen. Petrus hatte Jesus versprochen, immer bei ihm zu bleiben, so durch Dick und Dünn gehen wollte er mit ihm. Eben ein richtig guter Freund.

Aber dann ist etwas passiert. Was ganz Schlimmes ist passiert. Jesus wurde verhaftet. Gefesselt wurde er und wie ein Verbrecher abgeführt. Soldaten brachten ihn zum Haus des Obersten Priesters. Da ist Petrus hinterhergeschlichen. Bestimmt wollte er sehen, was nun passieren würde. Ich dachte sogar noch, dass er Jesus helfen wollte. Schließlich lässt man einen Freund niemals im Stich. Naja, ich weiß auch nicht, was ich gemacht hätte. Eine kleine Maus kann ja sowieso nicht viel machen. Jedenfalls sagte dann eine Frau zu Petrus: „Du warst doch auch mit Jesus zusammen. Du kennst ihn doch!“

Über die Antwort von Petrus habe ich mich sehr gewundert. Er hat nämlich gesagt, dass das nicht stimmt, er würde Jesus gar nicht kennen. Und das hat er dann sogar noch zweimal behauptet. Dreimal hat er gesagt, dass er Jesus nicht kennt. Ganz überzeugt hat er das gesagt.

Ich habe das nicht verstanden. Hatte Petrus so viel Angst, dass ihm auch etwas passieren würde? Man muss doch immer zu seinen Freunden stehen, oder? Der Petrus konnte das nicht.

Und dann krähte auf einmal ein Hahn. In diesem Moment fiel Petrus wieder ein, dass Jesus zu ihm gesagt hatte, dass das passieren würde. Dass Petrus sagen würde, er kenne Jesus nicht. Und dann hat Petrus geweint. Er konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen. Weggelaufen ist er dann auch noch. So wie ich, wenn ich mich ganz schnell in meinem Mauseloch verstecke. Der tat mir leid, der Petrus.

Vorbereitung

MATERIAL
Zur Geschichte:

Eine Maus-Handpuppe

Zur Vertiefung:
• Stabile Pappe
• Bunte Federn
• Kleber

Kinderfahrung

Kinder kennen Leid. Sie erleben es an sich selbst und an anderen. Sie erleben auch, „dass sie und andere manchmal selbst schuld sind an dem, was ihnen Schmerz bereitet, verursacht durch Unvorsichtigkeit, Selbstüberschätzung, Übertreten von Verboten. Sie merken auch, wie sie absichtlich, aber auch unbeabsichtigt, anderen Leid und Leiden zufügen.

Kinder erleben an sich und anderen, wie Leiden klagen lässt und Widerstandskräfte mobilisiert, wütend macht und aggressiv, aber auch verbittert und stumm macht. Kinder verspüren, wie gut es tut, im Leiden nicht allein zu sein, Mitleid zu erfahren, Lasten teilen zu dürfen.“ (Gesamtverband für Kindergottesdienst in der EKD: Plan für den Kindergottesdienst 2007-2009, Seite 110)

Petrus kann eine Identifikationsfigur für die Kinder sein. Kinder kennen das Hin- und Hergerissensein zwischen Mut und Angst. Sie kennen das Gefühl, sich nicht zu trauen, etwas zu sagen, obwohl sie es eigentlich wollen.

Auslegung des Bibeltextes

Der Erzählvorschlag hat die biblische Geschichte „Petrus verleugnet Jesus“ (Lukas 22,54-62) zur Grundlage. Der Bibeltext ist in der Übersetzung der Basisbibel verlinkt und kann auch online gelesen werden.

Petrus ist hin- und hergerissen zwischen Wollen und Können, Mut und Angst. Erst folgt er dem gefangenen Jesus, leugnet dann aber, ihn zu kennen. Allerdings hält Jesus trotzdem Verbindung zu ihm. Er blickt ihn an. In diesem Moment erkennt Petrus, dass sein Handeln falsch war.

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